Wenn du deine Narbe nicht anfassen magst
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Lesezeit: ca. 4 Minuten · Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Es gibt einen Teil der Kaiserschnitt-Heilung, über den kaum jemand spricht: Viele Mütter mögen ihre eigene Narbe nicht anfassen. Sie fühlt sich taub an, pelzig, fremd — fast wie nicht zum eigenen Körper gehörig. Wenn es dir so geht, bist du damit nicht allein, und mit dir ist nichts falsch.
Warum sich die Narbe taub oder „pelzig" anfühlt
Beim Kaiserschnitt wird die Bauchdecke in der Bikinizone eröffnet — genau dort verlaufen feine Hautnerven. Werden sie beim Schnitt durchtrennt oder gereizt, meldet die Haut darüber eine Zeit lang einfach weniger: Das Gefühl ist taub, kribbelig oder „wie abgestorben".
Das ist häufig und gut dokumentiert. In einer Untersuchung an 866 Frauen nach Pfannenstiel-Schnitt war Taubheit rund um die Narbe eines der typischen Begleitgefühle in der Heilung. Nerven wachsen langsam nach — oft über viele Monate. Dass sich die Stelle anfangs fremd anfühlt, ist also meist ein normaler Teil des Heilungsverlaufs, kein Zeichen, dass etwas schiefläuft.
Wichtig ist der Unterschied zwischen „taub" und „alarmierend": Rötung, Nässen, starke oder zunehmende Schmerzen oder Fieber gehören nicht dazu. Wann du damit nicht abwarten solltest, liest du in unserem Ratgeber zu den Warnzeichen.
Warum die Berührung sich so schwer anfühlt
Zur körperlichen Taubheit kommt oft eine leise emotionale Hürde. Die Narbe erinnert an eine große Operation, an eine Geburt, die vielleicht anders lief als erhofft. Sie mit den eigenen Fingern zu berühren, kann sich unangenehm oder sogar beängstigend anfühlen.
Auch das ist verständlich und weit verbreitet. Du musst dich nicht zwingen, ein bestimmtes Verhältnis zu deiner Narbe zu haben. Es darf Zeit brauchen.
Was du tun kannst
Die gute Nachricht: Du musst deine Narbe nicht direkt anfassen, um sie gut zu versorgen.
- Versorgung ohne Berührung. Ein Silikon-Narbenpflaster legt sich wie eine zweite Haut über die Narbe — aufkleben, fertig. Es übernimmt die tägliche Pflege, ohne dass du die Stelle massieren oder eincremen musst.
- Klein anfangen. Wenn du möchtest, kannst du die Haut zuerst nur durch Kleidung oder das Pflaster hindurch berühren. Viele finden so nach und nach einen ruhigeren Zugang zu der Stelle.
- Kein Druck. Es gibt keinen „richtigen" Zeitpunkt, ab dem du deine Narbe lieben oder betasten musst. Dein Tempo zählt.
Wenn du verstehen möchtest, was in den ersten Wochen im Gewebe passiert, hilft dir unser Artikel So heilt die Narbe in Woche 1–8. Und falls dich das Taubheitsgefühl über längere Zeit belastet oder mit Schmerzen einhergeht, sprich deine Hebamme oder Ärztin darauf an — dafür sind sie da.
Quellen
Loos M. et al. (2008): The Pfannenstiel Incision as a Source of Chronic Pain. Obstetrics & Gynecology. · Monstrey S. et al. (2014): Updated International Clinical Recommendations on Scar Management. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.